{"id":1693,"date":"2020-01-18T11:56:00","date_gmt":"2020-01-18T10:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/blog\/2021-12-13\/apprendre-de-l-apprentissage-de-conduite"},"modified":"2026-11-05T17:28:05","modified_gmt":"2026-11-05T16:28:05","slug":"apprendre-de-l-apprentissage-de-conduite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/fr\/blog\/2020-01-18\/apprendre-de-l-apprentissage-de-conduite","title":{"rendered":"Vom Autofahren lernen lernen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu lernen, wie sich einzeln und als Gemeinschaft nachhaltig zu entwickeln und so zu wirtschaften, dass sp\u00e4teren Generationen die Lebensgrundlagen erhalten bleiben, sollte selbstverst\u00e4ndlich sein. Und freiwillig. Doch wieso passiert das (immer noch) nicht? <br\/>\nWo doch freiwilliges Lernen andernorts durchaus und selbstverst\u00e4ndlich funktioniert. So zum Beispiel beim Autofahren lernen. Und liesse sich vielleicht aus dem Ph\u00e4nomen der global verbreiteten Bereitschaft, Auto fahren lernen zu wollen lernen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn das Autofahren lernen ist wohl die am besten funktionierende Ausbildung von Massen. Zwar fordert der Autoverkehr weltweit j\u00e4hrlich weit mehr Todesopfer als beispielsweise der Krieg in Syrien, trotzdem ist eigentlich erstaunlich, dass es angesichts der Billionen von Fahrbewegungen und der Milliarden von Autos nicht mehr Unf\u00e4lle gibt. Betrachtet man das Ganze als eine Art \u00ab\u00a0System\u00a0\u00bb, das von ungef\u00e4hr zwei Milliarden Menschen gesteuert wird, ist es mit weniger als ein Promille Fehlleistung eigentlich hochgradig funktionsf\u00e4hig. Und, wohlgemerkt, Auto fahren ist eine Fertigkeit, die dem Menschen weder in die Wiege gelegt wird, noch die er evolution\u00e4r wie das Gehen erwirbt oder wie das Kochen zur Existenzsicherung braucht, sondern die er willentlich und freiwillig lernt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie ist das m\u00f6glich?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein paar \u00dcberlegungen dazu:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Intrinsisch motiviert<\/strong> lernt sich bekanntlich leicht, das heisst: Was man unbedingt lernen will, das lernt man auch, egal ob Lesen, Gleitschirm fliegen, Auto fahren oder Cello spielen. Eine notwendige, aber zur Erkl\u00e4rung nicht ausreichende Voraussetzung. Denn w\u00e4hrend die Anzahl an Cellospielerinnen und Gleitschirmfliegern \u00fcberschaubar geblieben ist, wurde Autofahren ein Massenph\u00e4nomen. Es m\u00fcssen also noch weitere Faktoren hinzukommen.<br\/><\/li>\n\n\n<li><strong>Ritual und Symbol:<\/strong> Eine Ursache daf\u00fcr, dass Autofahren lernen so verbreitet ist, k\u00f6nnte in der Kraft liegen, die von Ritualen und Symbolen ausgeht: Denn Autofahren ist gewissermassen ein Ritual f\u00fcr den Eintritt ins Erwachsenenleben und ein Symbol f\u00fcr Unabh\u00e4ngigkeit und Individualismus.<br\/><\/li>\n\n\n<li><strong>Bequemlichkeitsdrang:<\/strong> Der haush\u00e4lterische Umgang mit seinen eigenen Kr\u00e4ften sicherte dem Menschen in seinen Anf\u00e4ngen das \u00dcberleben. So ist zu vermuten, dass dem Menschen eine evolutionsbedingte Anstrengungsvermeidung eigen ist. Diese ist aber heute, wo die meisten Menschen mit ihrer Energie nicht mehr sparsam umgehen m\u00fcssen, zum Bed\u00fcrfnis mutiert, Bequemlichkeit zu maximieren. Daf\u00fcr steht Autofahren quasi idealtypisch, \u00fcberholt nur noch von den Smartphones. (Mehr dazu im Beitrag \u00abGaaanz bequem zu Grunde gehen\u00bb)<br\/><\/li>\n\n\n<li><strong>Lernmethode<\/strong>: Dass der Autoverkehr funktioniert, k\u00f6nnte zudem zwei \u00ab\u00a0didaktische\u00a0\u00bb Gr\u00fcnde haben: Erstens die Unmittelbarkeit und die Klarheit der m\u00f6glichen Konsequenz bei Fehlverhalten &#8211; wie Busse, leidige Schuldabkl\u00e4rung oder Unfall mit schweren Verletzung oder man kann gar selber umkommen. Zweitens ist Lernen in Form von begleiteten Lernfahrten ein \u201cLearning-by-doing bzw driving\u201c, also jene Methode, mit der die allermeisten Menschen am besten lernen: Ein praktisches Ein\u00fcben von Fahrtechnik und Regeln.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br\/>\nDenkt man diese \u00dcberlegungen weiter, k\u00f6nnten sich f\u00fcr die Bildung f\u00fcr nachhaltige Entwicklung folgende Fragen stellen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Welche Kompetenzen einer \u201eBildung f\u00fcr nachhaltige Entwicklung\u201c liessen sich in \u201eLearning-by-Doing\u201c-Settings erwerben? (siehe dazu das BNE-Kompetenz-Schema von Education21). <br\/><\/li>\n\n\n<li>Gibt es eine Nachhaltigkeits-Fertigkeit, die sich als Ritual inszenieren liesse oder die den Bequemlichkeitsdrang anzusprechen vermag?<br\/><\/li>\n\n\n<li>K\u00f6nnte das bestehende Autofahr-Ausbildungssystem im Trittbrett-Verfahren genutzt werden? Zum Beispielso, dass, wer Auto fahren lernt, f\u00fcr die Pr\u00fcfung auch andere Mobilit\u00e4tsarten kennen muss. <br\/><\/li>\n\n\n<li>Wie k\u00f6nnte man, gem\u00e4ss dem Bonmot von Antoine de St. Exup\u00e9ry \u201eWenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und Arbeit einzuteilen, sondern lehre den Leuten die Sehnsucht nach dem weiten Meer\u201c eine Sehnsucht finden, die der Nachhaltigkeit innewohnt? Und wie k\u00f6nnte diese die Sehnsucht Individualismus bzw. Unabh\u00e4ngigkeit \u00ab\u00a0konkurrieren\u00a0\u00bb?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br\/>\nBei der nachhaltigen Entwicklung geht es um das Ideal des \u201egen\u00fcgsam zufriedenen Menschen\u201c und eines Wirtschaftens, das prim\u00e4r dem Gemeinwohl und nicht dem Einzelwohl dient. F\u00fcr den Weg zum Ideal stellt sich allerdings die Frage, ob es eine Auffahrt zu diesem schmalen Nachhaltigkeitspfad gibt, die auch f\u00fcr Nicht\u00fcberzeugte attraktiv w\u00e4re und zu einem freiwilligen Lernen f\u00fchren w\u00fcrde. Dabei geht es wesentlich um ein Entlernen bzw. Umlernen gesellschaftlicher Selbstverst\u00e4ndlichkeiten, also etwa vom Auto-Fahren zum Nachhaltigkeits-Gehen kommen. Nachhaltige Gewohnheiten anzunehmen,ist umso wahrscheinlicher,  je fr\u00fcher sie erlernt werden, je niederschwelliger sie sind und je mehr man erlebt, dass Verzicht nicht nimmt, sondern gibt*. <br\/>\n<br\/>\nMit anderen Worten: Gesucht ist ein ganzheitlicher Ansatz, der an die Wurzeln des menschlichen Seins geht, n\u00e4mlich dem Streben des Menschen nach Wohlbefinden und Gl\u00fcck. Weniger Materielles mehr Soziales, Spirituelles und Kulturelles. So wie das zum Beispiel das \u201cHappy School Project\u201d verfolgt, bei welchem das Wohlbefinden der Kinder im Zentrum steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br\/>\n<br\/>\n*siehe dazu den wissenschaftlichen Artikel \u201c<a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/content\/early\/2020\/01\/14\/1900577117\" rel=\"noopener\">Social tipping dynamics for stabilizing Earth\u2019s climate by 2050<\/a>\u201d (Januar 2020) &#8211; in dem ForscherInnen mittels einer Meta-Studie die sechs wichtigsten \u201csozialen Kipppunkte\u201d (oder Hebel) zur Stabilisierung des Klimas destillierten. Neben der Verschiebung staatlicher Subventionen weg von \u00d6l, Kohle und Gas hin zu erneuerbaren Energien sowie dem Deinvestment in diese fossilen Energietr\u00e4ger, ist es auch (u.a. ) Bildung.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile kf-author-box\" style=\"grid-template-columns:25% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"804\" height=\"528\" src=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/kuno_portraitbild.jpg\" alt=\"Kuno Roth\" class=\"wp-image-441 size-full\" srcset=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/kuno_portraitbild.jpg 804w, https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/kuno_portraitbild-800x525.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 804px) 100vw, 804px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unser Autor<\/h2>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Arbeitet seit drei Jahren als Leiter des globalen Mentoring-Programms bei Greenpeace International. Zuvor war er 25 Jahre lang Bildungsverantwortlicher von Greenpeace Schweiz.<\/p>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jahrgang 57, Dr. rer. nat., ehemaliger Chemiker, arbeitet nun als Human\u00f6kologe, Lernspezialist sowie auch Schriftsteller. Neben Kolumnen schreibt er vor allem Gedichte und Aphorismen. Seine letzten Ver\u00f6ffentlichungen sind \u201cIm Rosten viel Neues\u201d (Gedichte, 2016) sowie \u201cAussicht von der Einsicht\u201d (Aphorismen, 2018). Mehr unter <a href=\"https:\/\/prolyrica.ch\/b-b\/kuno-roth\" rel=\"noopener\">https:\/\/prolyrica.ch\/b-b\/kuno-roth<\/a>.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle est votre attitude face \u00e0 la performance ? Avez-vous un avis sur la question ? 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