{"id":1660,"date":"2025-10-16T07:00:00","date_gmt":"2025-10-16T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/blog\/2025-10-16\/lokalfair-statt-global-und-guenstig"},"modified":"2026-10-12T18:19:23","modified_gmt":"2026-10-12T16:19:23","slug":"lokalfair-statt-global-und-guenstig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/blog\/2025-10-16\/lokalfair-statt-global-und-guenstig","title":{"rendered":"lokal+fair statt global und g\u00fcnstig"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">T-Shirts f\u00fcr 5 Franken, doppelwandige Edelstahl-Sauci\u00e8res f\u00fcr 9.95 oder 12 Baumwoll-K\u00fcchent\u00fccher f\u00fcr 12 Franken &#8211; wer kennt sie nicht? Die Anzeigen von Temu, die immer wieder f\u00fcr mehr oder weniger brauchbare Gegenst\u00e4nde und Accessoires werben, die eines vereint: Sie sind absurd billig. Meine erste Assoziation zu Temu ist denn auch: Maximal preisg\u00fcnstige Produkte, die durch den Paketstau die internationalen Lieferketten verstopfen. Diesem Image will Temu nun offenbar ein Ende setzen und versucht sich in Fairwashing, bislang allerdings ohne Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/wirtschaft\/e-commerce-temu-hat-sein-local-to-local-programm-in-der-schweiz-lanciert\" rel=\"noopener\">Local-to-local <\/a>heisst das Programm, das am 15. September lanciert wurde und mit dem sich Temu einen lokaleren Anstrich verleihen will. Doch die frische Fassade beginnt bereits zu br\u00f6ckeln, wenn man sie nur leicht auf ihre Glaubw\u00fcrdigkeit abklopft. Mit dem neuen local-to-local Programm sollen Schweizer H\u00e4ndler ihre Produkte direkt auf der Plattform anbieten k\u00f6nnen, wodurch sich Temu gem\u00e4ss eigenen Aussagen als Online-Marktplatz f\u00fcr lokale Unternehmen pr\u00e4sentieren und Schweizer Unternehmen zu neuen Wachstumschancen verhelfen will. N\u00e4her liegt der Gedanke, dass sich Temu als sch\u00e4rfere Konkurrenz zu etablierten Anbietern wie Digitec und Galaxus im Markt positionieren m\u00f6chte &#8211; aber wer bin ich, dies zu beurteilen. Wenn das Resultat ein Positives ist und vermehrt Schweizer Produkte in der Schweiz Absatz finden, soll es mir recht sein. Interessant wird es allerdings, wenn man nach den lokalen Produkten sucht &#8211; und sie tats\u00e4chlich nirgends findet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sucht man nach \u201clocal products\u201d oder \u201clokale Produkte\u201d, so findet man diverse Artikel mit Aufschriften wie \u201cSupport your local Farmer\u201d (T-Shirts) oder \u201cEat fresh, buy local\u201d (eine Tasse\u201d. Die T-Shirts stammen dabei aus Guangdong (China) und die Tassen aus Zheijang, ebenfalls China. Die Vorstellung, einen frischen Schweizer Most aus einer chinesischen Tasse mit der Aufschrift \u201cbuy local\u201d zu trinken, entbehrt nicht einer gewissen Skurrilit\u00e4t, die zu einer Metapher f\u00fcr den Zeitgeist einl\u00e4dt, die den Rahmen hier sprengen w\u00fcrde. Wenn man weiter nach den lokalen Produkten sucht und in der App eine einzelne Produktkategorie ausw\u00e4hlt, beispielsweise Damenbekleidung, muss man bei der Auswahl der Produktfilter ganz nach unten scrollen und dort dann auf den Reiter \u201clokales Lager\u201d klicken. Mit einem Klick auf den Button, der mehr Informationen zum Shop verspricht, erf\u00e4hrt man dann, dass hinter s\u00e4mtlichen Produkten chinesische Unternehmen stehen. So l\u00e4uft es auch bei anderen Produktabfragen. Das \u201clokale Lager\u201d bedeutet schlicht, dass die Anbieter in ein Lager in Europa eingemietet sind und deshalb einen Versand innerhalb von 48 Stunden in Aussicht stellen k\u00f6nnen. Zum aktuellen Zeitpunkt findet sich auf Temu kein einziges Schweizer Produkt, trotz vollmundiger Ank\u00fcndigung. Wer nach Schweizer Produkten sucht, findet zwar Heidib\u00fccher aus Hongkong oder Holzschnitz-Tutorials aus Szechuan, aber kein einziges Produkt mit Schweizer Herkunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Woran scheitert es also und was bedeutet das Programm local-to-local tats\u00e4chlich? Offenbar an den Schweizer Unternehmen, die sich dem Tiefpreisniveau zu recht nicht anpassen wollen oder sich dem Preisdumping aus ideellen Gr\u00fcnden widersetzen. So gibt eine Kleidermarke bekannt: \u201cF\u00fcr uns w\u00fcrde es aufgrund unserer Werte und unseres Nachhaltigkeitsversprechens niemals infrage kommen, auf Temu aktiv zu sein.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das freut und \u00fcberrascht mich zugleich. Es scheint in diesem Sektor also zu funktionieren, was sich im Bereich der Agrarprodukte zumeist schwierig gestaltet: Man steht f\u00fcr faire Preise ein und ist nicht bereit, aufgrund ausl\u00e4ndischer Konkurrenz ein bestimmtes Preisniveau zu unterschreiten. W\u00e4hrend Schweizer B\u00e4uerinnen und Bauern, getrieben vom Preiskampf durch die Importprodukte, oft versuchen, intensiver, g\u00fcnstiger und gr\u00f6sser zu produzieren, um Produzentenpreise zu senken, machen hier die Unternehmen einfach nicht mit. Chapeau! Klar ist die Situation auf dem Agrarmarkt komplexer und die Konkurrenzsituation versch\u00e4rfter, aber umso mehr gelten hier die Spr\u00fcche auf den chinesischen Billigartikeln: Support your local Farmer &amp; buy local! Onlineplattformen, auf denen man die Schweizer B\u00e4uerinnen und Bauern und ihr Angebot findet, gibt es schliesslich verschiedene, wie beispielsweise<a href=\"https:\/\/lokalundfair.ch\/\" rel=\"noopener\"> lokal+fair<\/a> vom Verein Faire M\u00e4rkte Schweiz oder <a href=\"http:\/\/vomhof.ch\" rel=\"noopener\">vomhof.ch<\/a> vom Schweizer Bauernverband. Da sind wir Temu sogar einen Schritt voraus &#8211; buy local!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile kf-author-box\" style=\"grid-template-columns:25% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1080\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/design_ohne_titel_3.jpg\" alt=\"Meret Schneider\" class=\"wp-image-1152 size-full\" srcset=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/design_ohne_titel_3.jpg 1080w, https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/design_ohne_titel_3-800x800.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unsere Autorin<\/h2>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Meret Schneider<\/strong> ist Linguistin, Kommunikations- und Umweltwissenschaftlerin und arbeitet als Projektleiterin f\u00fcr das Kampagnenforum. Davor war sie Nationalr\u00e4tin des Kantons Z\u00fcrichs, hat als Co-Gesch\u00e4ftsleitung einer NPO die Initiative gegen Massentierhaltung mitinitiiert, die Kampagne begleitet und war in verschiedenen Bereichen der landwirtschaftlichen Praxis t\u00e4tig. Heute ist sie ausserdem freischaffende Journalistin und schreibt w\u00f6chentliche Kolumnen f\u00fcr Moneycab sowie Gastbeitr\u00e4ge f\u00fcr Nau.ch.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T-Shirts f\u00fcr 5 Franken, K\u00fcchent\u00fccher im Dutzend f\u00fcr 12 \u2013 Temu ist bekannt f\u00fcr Billigpreise und Massenware. Nun versucht sich die Plattform mit einem local-to-local-Programm einen \u201clokalen\u201d Anstrich zu geben. Ob das geklappt hat?<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":1384,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1660","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kampagnen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1660"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1660\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3904,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1660\/revisions\/3904"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1384"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}