{"id":1646,"date":"2025-01-13T10:11:00","date_gmt":"2025-01-13T09:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/blog\/2025-01-13\/schweizer-brot-zu-welchem-preis"},"modified":"2026-10-12T18:19:22","modified_gmt":"2026-10-12T16:19:22","slug":"schweizer-brot-zu-welchem-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/blog\/2025-01-13\/schweizer-brot-zu-welchem-preis","title":{"rendered":"Schweizer Brot zu welchem Preis?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Noch nicht lange ist es her, dass vom Verein Faire M\u00e4rkte Schweiz \u00fcber die Preiserh\u00f6hungen f\u00fcr Brot von Coop ohne relevant h\u00f6here Produzentenpreise und trotz h\u00f6herer und billigerer Getreideimporte informiert und geschrieben wurde [1]. Die Geschichte geht nun weiter und stellt uns vor die Grundsatzfrage, die sich in zunehmendem Masse f\u00fcr die meisten landwirtschaftlichen Produkte stellt: Was darf und soll uns die Schweizer Produktion kosten? Was davon soll der Staat und was die Konsumierenden berappen? Eine spannende Frage, die von unterschiedlichen Akteuren und interessanterweise auch von Produkt zu Produkt diametral unterschiedlich beantwortet wird.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie bereits in diversen Artikeln der Agrarmedien beschrieben wurde, geht die Brotgetreideproduktion in der Schweiz zur\u00fcck. Die Anbaufl\u00e4che hat zwischen den Jahren 2000 und 2020 um mehr als 20&#8217;000 ha oder 20 Prozent abgenommen, wie der Zeitung \u201cSchweizer Bauer\u201d zu entnehmen ist. 2023 lag die Fl\u00e4che noch bei gut 79&#8217;000 ha und auch die Fl\u00e4chenertr\u00e4ge waren vor wenigen Jahren noch deutlich h\u00f6her, da vermehrt extreme Wetterereignisse wie die starken Regenf\u00e4lle dieses Sommers die Produktion erschweren und zu grossen Ernteausf\u00e4llen f\u00fchren. Die Produktion von Schweizer Brotgetreide kann die Nachfrage also zum aktuellen Zeitpunkt mitnichten decken, was in einer klassischen Angebot-Nachfrage-Situation eigentlich zu einer Erh\u00f6hung der Richtpreise f\u00fcr Brotgetreide und damit zu mehr Getreideanbau im Inland f\u00fchren m\u00fcsste, da sich die Getreideproduktion dann wieder st\u00e4rker lohnen w\u00fcrde. Dies ist jedoch keineswegs der Fall: Die Richtpreise wurden nur marginal angehoben und die Getreideproduktion wird in der aktuellen Marktsituation zunehmend unwirtschaftlich f\u00fcr die Schweizer B\u00e4uerinnen und Bauern, was den R\u00fcckgang der Anbaufl\u00e4chen weiter beschleunigt. Unser Brotkonsum jedoch ist nach wie vor hoch und wenn wir die Superm\u00e4rkte unseres Vertrauens betreten, k\u00f6nnen wir \u00fcber Angebotsmangel nicht klagen: Die meterlangen Regale sind gut gef\u00fcllt. Dies ist m\u00f6glich, weil der Bund nach Bedarf das Importkontingent f\u00fcr Brotgetreide entsprechend erh\u00f6ht &#8211; 2024 beispielsweise um 20\u2019000 Tonnen &#8211; und sich in den letzten 10 Jahren auch die Einfuhr von Halbfertig- und Fertigprodukten (Teiglinge) mehr als verdoppelt hat. Heute liegt sie bei 300&#8217;000 Tonnen pro Jahr (vgl. j\u00e4hrliche gemahlene Menge Brotgetreide in der Schweiz: 400&#8217;000 Tonnen). Dies geht gar so weit, dass regelm\u00e4ssig hochwertiges Schweizer Brotgetreide zu Futtergetreide deklassiert werden muss, weil es von billig importierten Backwaren und Teiglingen zu stark konkurriert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben es hier also mit einem Fall zu tun, der uns allzu bekannt vorkommt: Gleiches Szenario hatten wir diesen Sommer mit den billigen Importkirschen und immer wieder bei Schweizer Fleisch, das inl\u00e4ndische Produkte durch g\u00fcnstigere Preise konkurriert. In einer Marktsituation, in der die Produktionsbedingungen im Ausland (L\u00f6hne, Anforderungen an Tierwohl und \u00d6kologie) so stark von den Anbaubedingungen im Inland abweichen, kann man den Markt, der im Agrarbereich aus ohnehin alles andere als ein freier ist, nicht spielen lassen, ohne den Schweizer Bauernstand durch die billigen Importprodukte schlicht zu ruinieren. Im Fleischbereich wird dies vielfach durch die strengen Kontingente entsch\u00e4rft, wobei ich beim Pouletimport aus L\u00e4ndern wie Brasilien und Ungarn durchaus Fragen h\u00e4tte &#8211; aber das w\u00e4re ein anderer Text. Bleiben wir also beim Brotgetreide. Was k\u00f6nnte getan werden, um die Situation der Getreidebauern in der Schweiz zu verbessern und den Anbau pflanzlicher Produkte, wie er politisch ja immer wieder gefordert wird, zu f\u00f6rdern? Eine Antwort darauf lieferte eine Motion von Christine Badertscher, die in dieser Wintersession trotz Ablehnung durch den Bundesrat vom Nationalrat angenommen wurde. Sie beauftragt damit den Bundesrat, den Maximalzoll f\u00fcr Brotgetreide dem vereinbarten Maximalzoll gem\u00e4ss WTO-\u00dcbereinkommen gleichzusetzen. Statt 23 Franken soll der Zollansatz neu 35 Franken pro 100 Kilo betragen. Sollten die Produktionskosten und in der Folge der Richtpreis wieder sinken, k\u00f6nnte der Bund den Zoll wieder nach unten anpassen. Bundesrat Parmelin argumentierte in der ablehnenden Antwort, dass Brotgetreide eine der rentabelsten Kulturen bezogen auf den Arbeitsbedarf sei. Dies w\u00fcrde auch f\u00fcr die vergangenen beiden Jahren mit vor\u00fcbergehend markant angestiegenen Kosten f\u00fcr Produktionsmittel gelten. Nun ja, die Getreideb\u00e4uerinnen und -bauern sehen das offenbar anders und ich bin froh, haben wir im Nationalrat die Motion \u00fcberwiesen. Der Verein Faire M\u00e4rkte Schweiz sorgt parallel mit seiner Anzeige bei der WeKo daf\u00fcr, dass die Preisbildung im Getreidemarkt endlich untersucht und auf unfaire Handelspraktiken gepr\u00fcft wird [2].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun m\u00fcssen wir nur noch konsequent sein, denn beim Hafer sind wir in einer \u00e4hnlichen Situation. Trotz der guten Nachfrage nach Biospeisehafer wird hier der Bedarf nicht mit dem vorr\u00e4tigen hiesigen Biospeisehafer gedeckt, sondern mit importiertem Knospe-Hafer. Der Grund daf\u00fcr ist die fehlende \u00dcbernahmepflicht des Inlandspeisehafers. Denn als zum Beispiel Coop mit der Knospe startete, gab es noch gar keinen Schweizer Biohafer, wie die Bauernzeitung schreibt. Damals konnte dieser Rohstoff nur importiert werden, weswegen jetzt die Importbeschr\u00e4nkung im Rahmen der Richtlinien fehlt. M\u00fcssen wir also auch hier einen h\u00f6heren Grenzschutz und Importbeschr\u00e4nkungen beschliessen? In meinen Augen konsequenterweise ja. Ich bin gespannt, wie sich die Freier-Markt-Fraktion in diesem Falle verh\u00e4lt, meines Erachtens gilt: Wie dem Weizen, so dem Hafer! Auch hier muss sich der Anbau lohnen, es braucht existenzsichernde Produzentenpreise und Transparenz in der Preisbildung &#8211; der Verein Faire M\u00e4rkte Schweiz wird auf jeden Fall dranbleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>[1]<\/strong> <a href=\"https:\/\/fairemaerkteschweiz.ch\/brotpreise-steigen-trotz-hoeheren-billigimporten-von-getreide\/\" rel=\"noopener\">https:\/\/fairemaerkteschweiz.ch\/brotpreise-steigen-trotz-hoeheren-billig\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>[2]<\/strong><em> <\/em><a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/wirtschaft\/mieses-spiel-mit-dem-brotpreis-verein-zeigt-detailhaendler-und-grossmuehlen-bei-wettbewerbsbehoerde-an-id20208968.html\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.blick.ch\/wirtschaft\/mieses-spiel-mit-dem-brotpreis-verein-z\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile kf-author-box\" style=\"grid-template-columns:25% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1080\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/design_ohne_titel_3.jpg\" alt=\"Meret Schneider\" class=\"wp-image-1152 size-full\" srcset=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/design_ohne_titel_3.jpg 1080w, https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/design_ohne_titel_3-800x800.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unsere Autorin<\/h2>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Meret Schneider<\/strong> ist Linguistin, Kommunikations- und Umweltwissenschaftlerin und arbeitet als Projektleiterin f\u00fcr das Kampagnenforum. Sie ist Nationalr\u00e4tin des Kantons Z\u00fcrich und engagiert sich in den Bereichen Umwelt, Landwirtschaft und Tierwohl. Sie hat bereits als Co-Gesch\u00e4ftsleitung einer NPO die Initiative gegen Massentierhaltung mitinitiiert, die Kampagne begleitet und war in verschiedenen Bereichen der landwirtschaftlichen Praxis t\u00e4tig. Als freischaffende Journalistin schreibt sie w\u00f6chentliche Kolumnen f\u00fcr <em>Moneycab<\/em> und Gastbeitr\u00e4ge f\u00fcr <em>Nau.ch<\/em>.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Preiserh\u00f6hungen f\u00fcr Brot werfen die Grundsatzfrage auf: Was darf und soll uns die Schweizer Produktion kosten? Wer soll zahlen \u2013 der Staat oder die Konsumierenden? Eine spannende Diskussion, die je nach Produkt unterschiedlich beantwortet wird.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":1285,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1646","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kampagnen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1646"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1646\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3941,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1646\/revisions\/3941"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1285"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}