{"id":1630,"date":"2024-08-19T08:13:00","date_gmt":"2024-08-19T06:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/blog\/2024-08-19\/sensibilisierung-und-barrierefreiheit-schweiz-vs-honduras"},"modified":"2026-10-12T18:19:22","modified_gmt":"2026-10-12T16:19:22","slug":"sensibilisierung-und-barrierefreiheit-schweiz-vs-honduras","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/blog\/2024-08-19\/sensibilisierung-und-barrierefreiheit-schweiz-vs-honduras","title":{"rendered":"Sensibilisierung und Barrierefreiheit: Schweiz vs. Honduras"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wer h\u00e4tte gedacht, dass ich als Menschenrechtsbegleiterin in Honduras \u00e4hnlichen Themen begegne, wie als Projektleiterin bei Kampagnenforum in der Schweiz? Barrierefreiheit und entsprechende Sensibilisierung ist im zentralamerikanischen Land genauso ein dr\u00e4ngendes Thema wie in der Schweiz. Die Teilnahme am \u201cMarsch f\u00fcr Inklusion\u201d in der honduranischen Stadt El Progreso zeigte mir, dass Sensibilisierungskampagnen in beiden L\u00e4ndern \u00e4hnlich funktionieren. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Organisation Peace Watch Switzerland (PWS) begleite ich als internationale Beobachterin honduranische Menschenrechtsverteidiger:innen, damit sie f\u00fcr ihre Rechte einstehen k\u00f6nnen. Das zentralamerikanische Land ist gepr\u00e4gt von Armut und Korruption, Menschenrechte werden gerne ignoriert. Typischerweise begleiten wir Aktivistinnen und Aktivisten bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen, bei Sitzungen mit staatlichen Repr\u00e4sentant:innen oder wenn sie bei der Polizei eine Anzeige erstatten. Hin und wieder sind wir aber auch bei Demonstrationen dabei, um beizutragen, dass das Recht auf Protest eingehalten wird. So auch im Juni 2024, als wir eine honduranische Organisation begleiteten, die sich f\u00fcr die Rechte von Menschen mit Beeintr\u00e4chtigung einsetzt. Wenn Barrierefreiheit, sei es im physischen oder digitalen Raum, schon in der Schweiz ungen\u00fcgend ist, so stelle man sich die Situation in Honduras vor\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u201cMarsch f\u00fcr Inklusion\u201d in der Stadt El Progreso (= span. f\u00fcr \u201ader Fortschritt\u2019) zeigte deutlich, dass die Stadt, sowie das ganze Land bez\u00fcglich Barrierefreiheit \u00fcberhaupt nicht fortschrittlich ist. Eine honduranische NGO organisierte einen Sensibilisierungs-Marsch, um auf die schwierigen Umst\u00e4nde und Barrieren aufmerksam zu machen, auf welche Menschen mit einer Behinderung tagt\u00e4glich stossen. \u00dcber 200 Jugendliche des lokalen Gymnasiums nahmen an diesem \u201cMarsch f\u00fcr Inklusion\u201d teil. Mit verbundenen Augen tasteten sie sich durch die chaotischen Strassen und mussten sich von Mitstudierenden f\u00fchren lassen. Denn Blindenleitlinien gibt es auf den holprigen honduranischen Trottoirs kaum &#8211; daf\u00fcr tiefe, nicht abgesperrte L\u00f6cher mitten auf den Gehwegen und den Strassen. Auch mit Kr\u00fccken und Rollst\u00fchlen k\u00e4mpften sich die Jugendlichen \u00fcber die hohen Randsteine, die kaum \u00fcberwindbare Hindernisse darstellen. Sie zw\u00e4ngten sich an den ambulanten Strassenverk\u00e4ufer:innen vorbei, welche die engen Trottoirs mit ihren Auslagen noch schmaler machen und die wenigen Rollstuhlrampen besetzen. Im Gegensatz zur Schweiz, wo immerhin bereits Barrierefreiheit im digitalen Raum ein Thema ist, geht es in Honduras um grunds\u00e4tzliche Infrastruktur, die f\u00fcr alle Fussg\u00e4nger:innen eine grosse Herausforderung ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kampagne f\u00fcr Digitale Barrierefreiheit in der Schweiz<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Marsch in Honduras erinnerte mich stark an eine Aktion im Rahmen der Kampagne, die wir mit Kampagnenforum f\u00fcr den Schweizerischen Blindenverband (SBV) im Herbst 2023 zum Thema digitale Barrierefreiheit (<a href=\"https:\/\/barrierefreiheit-jetzt.ch\/\" rel=\"noopener\">Digitale Barrierefreiheit. Jetzt!<\/a>) durchgef\u00fchrt haben: An einer Z\u00fcrcher Kantonsschule baten wir Sch\u00fcler:innen, sich mit verbundenen Augen beim Kaffeeautomaten mit Touchscreen einen Cappuccino zu servieren. Ohne haptische Kn\u00f6pfe war es f\u00fcr die Teilnehmenden fast unm\u00f6glich und reine Gl\u00fcckssache, den richtigen Kaffee auszuw\u00e4hlen. Das Experiment zeigte die Schwierigkeiten auf, die viele Alltagsger\u00e4te mit digitaler Bedienung mit sich bringen. In Freiburg testeten wir mit sehenden Passant:innen, wie es ist, einen Wahl- oder Abstimmungszettel selbst\u00e4ndig mit verbundenen Augen, also blind, auszuf\u00fcllen. Absolut unm\u00f6glich, einen Namen in die richtige Zeile zu schreiben. Hier k\u00f6nnte die digitale Barrierefreiheit in Form von E-Voting die H\u00fcrden abbauen und die politische Teilnahme von sehbeeintr\u00e4chtigten Menschen erm\u00f6glichen. Beide Experimente zeigten deutlich, wie schwierig und diskriminierend der Alltag ohne Barrierefreiheit auch in der Schweiz ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Sensibilisierungskampagnen geht es darum, Aufmerksamkeit auf ein Problem zu lenken, Betroffenheit zu schaffen und aufzuzeigen, was es bedeutet, mit einer Beeintr\u00e4chtigung durchs Leben zu gehen. Sowohl beim \u201cMarsch f\u00fcr Inklusion\u201d in Honduras, als auch bei den zwei Aktionen in der Schweiz ist dies gelungen: Die teilnehmenden Menschen ohne Beeintr\u00e4chtigung erlebten die Einschr\u00e4nkungen am eigenen Leib und zeigten sich anschliessend schwer beeindruckt und betroffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sensibilisierung zielt auch darauf ab, die Aufmerksamkeit von Politiker:innen auf ein Problem zu lenken und sie zum Handeln und zur Verbesserung der Situation aufzufordern. Die Menschen in Honduras haben von Seiten der Politik schon unz\u00e4hlige Entt\u00e4uschungen in Form von Korruption und Ungerechtigkeiten erlebt. Trotzdem bringen zivilgesellschaftliche Organisationen und Menschenrechtsverteidiger:innen immer wieder Optimismus und Mut auf, um gegen die vielen Diskriminierungen einzustehen. Dieser unersch\u00fctterliche Tatendrang und das Engagement beeindrucken mich zutiefst. Im Bereich der Barrierefreiheit gibt es in beiden L\u00e4ndern noch viel zu tun. Honduras geht meiner Meinung nach mit einem beeindruckenden Beispiel an zivilgesellschaftlichem Einsatz voran. Mit Hartn\u00e4ckigkeit und dem beherzten Engagement von zivilgesellschaftlichen Akteuren kann in beiden L\u00e4ndern ein Wandel angestossen werden, hin zu inklusiven und barrierefreien Gesellschaften.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Peace Watch Switzerland<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Honduras ist gepr\u00e4gt von Armut, Gewalt und Ungleichheit. Im zentralamerikanischen Land werden Probleme im Bereich der Menschenrechte kaum untersucht, Straflosigkeit und Korruption geh\u00f6ren zur Tagesordnung. Die Schweizer Non-Profit Organisation <a href=\"https:\/\/www.peacewatch.ch\/\" rel=\"noopener\">Peace Watch Switzerland (PWS)<\/a> sendet internationale Freiwillige, die als neutrale, unabh\u00e4ngige und unparteiische Beobachter:innen Menschenrechtsverteidiger:innen begleiten. PWS wird von Personen und Organisationen angefragt, um bestimmte Situationen zu begleiten, zuzuh\u00f6ren, zu beobachten und allf\u00e4llige Unregelm\u00e4ssigkeiten zu rapportieren. Die blosse Anwesenheit der internationalen Organisation unterstreicht die Relevanz und demonstriert den honduranischen Beh\u00f6rden, dass der Fall international beachtet wird. Die Freiwilligen sind bei Begleitungen immer zu zweit unterwegs und tragen gr\u00fcne Westen mit dem PWS Logo als Erkennungsmerkmal.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile kf-author-box\" style=\"grid-template-columns:25% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"960\" src=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/img_20240620_074255_106.jpg\" alt=\"Als Menschenrechtsbegleiterin in Honduras, immer mit der gr\u00fcnen Weste.\" class=\"wp-image-1208 size-full\" srcset=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/img_20240620_074255_106.jpg 1280w, https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/img_20240620_074255_106-800x600.jpg 800w, https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/img_20240620_074255_106-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unsere Autorin<\/h2>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Autorin arbeitet bei Kampagnenforum als Projektleiterin Campaigning &amp; Kommunikation. Kommunikation fasziniert sie nicht nur auf Deutsch, sondern besonders auch auf Spanisch. Daher zieht es sie immer wieder nach Mittel- und S\u00fcdamerika. Aktuell leistet sie w\u00e4hrend 6 Monaten einen Freiwilligeneinsatz und arbeitet statt vom B\u00fcro aus vor allem im Feld und begleitet Menschenrechtsaktivist:innen in Honduras. Im Einsatz ist sie immer mit der gr\u00fcnen Weste als Erkennungsmerkmal unterwegs.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer h\u00e4tte gedacht, dass ich als Menschenrechtsbegleiterin in Honduras \u00e4hnlichen Themen begegne, wie als Projektleiterin bei Kampagnenforum? 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