{"id":1626,"date":"2024-08-05T12:32:00","date_gmt":"2024-08-05T10:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/blog\/2024-08-05\/schwiizer-fruecht-ich-weiss-warum"},"modified":"2026-10-12T18:19:21","modified_gmt":"2026-10-12T16:19:21","slug":"schwiizer-fruecht-ich-weiss-warum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/blog\/2024-08-05\/schwiizer-fruecht-ich-weiss-warum","title":{"rendered":"Schwiizer Fr\u00fccht, ich weiss warum?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der erste August liegt hinter uns und wie immer wurden in Festreden und heimatverbundenen Liedern der Patriotismus und die Solidarit\u00e4t gepriesen. Doch trotz allen \u00dcberangebots an Heimatliebe und pathostriefenden, glanzvollen Formulierungen, die einem gern auch einmal etwas \u00fcbers Ziel hinauszuschiessen scheinen, w\u00fcnschte ich mir in bestimmten Bereichen tats\u00e4chlich ein bisschen mehr des postulierten schweizer Solidarit\u00e4tsgedankens. Ein Bereich, der gerade aktuell ein bisschen mehr Heimatliebe und Stolz auf die Schweizer Produktion vertragen k\u00f6nnte, ist das Obstregal. Nachdem Herr und Frau Schweizer am ersten August an Bauernbrunches ihre Solidarit\u00e4t mit den B\u00e4uerinnen und Bauern mit dem Mund voll hausgemachter Z\u00fcpfe in salbungsvollen Worten betonten und Migros sich in ihrer Werbung zynischerweise als \u201cgr\u00f6ssten Hofladen der Schweiz\u201d bezeichnete, w\u00e4re nun die Gelegenheit, diesen Worten Taten folgen zu lassen. Insbesondere die Schweizer Kirschb\u00e4uerinnen und -bauern sp\u00fcren von dieser Solidarit\u00e4t &#8211; ob von Konsumierenden oder vom Detailhandel &#8211; aktuell n\u00e4mlich ern\u00fcchternd wenig.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So warb Coop beispielsweise in den ersten Juliwochen mehrfach f\u00fcr Kirschen mit Herkunft Schweiz\/T\u00fcrkei, obwohl im Vornherein dar\u00fcber informiert worden war, dass die Ernte gut ausfallen und es gen\u00fcgend inl\u00e4ndische Kirschen geben wird. Coop beteuert zwar, dass seit Juni keine Importkirschen mehr verkauft wurden, dennoch sind solche Aktionen ein \u00c4rgernis. Wie in einem Artikel der Bauernzeitung zu lesen war, kamen in der ersten Juliwoche mehr Kirschen als erwartet auf den Markt. Die Kirschenqualit\u00e4t war gut, wie Ernst L\u00fcthi vom Baselbieter Obstverband betonte. Am Verkaufspunkt h\u00e4tten sie neben den Importkirschen jedoch einen schweren Stand gehabt. Hinzu kam das Problem, dass die diesj\u00e4hrigen Kirschen schlecht lagerbar waren. Die lange, kalte Regenperiode f\u00fchrte dazu, dass die Kirschen mit Wasser durchzogen waren, was dem Geschmack und der Qualit\u00e4t keinen Abbruch tut, jedoch die Lagerungsf\u00e4higkeit stark beeintr\u00e4chtigt. Als der Verkauf stockte, entschieden die Produzenten und ihr Abnehmer, die Tobi Seeobst AG und die Fenaco, gemeinsam, die schlechtesten Posten vom Markt zu nehmen und nur mit der Hauptsorte Kordia in die L\u00e4den zu gehen. Der Schaden wurde geteilt, was bedeutete, dass die Abnehmer einen Teil \u00fcbernahmen und der Rest aufgeteilt wurde. So kam wieder Schwung in den Verkauf, doch die nicht verkauften Kirschen landeten in der Biogasanlage, was nat\u00fcrlich eine Lebensmittelverschwendung sondergleichen bedeutet. Schweizweit wurden zwischen 250 und 300 t Kirschen so entsorgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem bekamen durch den \u00dcberschuss auch die Produzierenden die Folgen zu sp\u00fcren, und zwar durch den versch\u00e4rften Preisdruck: Sie mussten nicht nur die \u00dcberschussverwertung mittragen, sondern auch die Verkaufsaktionen \u00fcber einen Aktionsbeitrag von Fr. 0.40\/kg mitfinanzieren. Wenngleich Coop beteuert, dass zur Zeit der Aktionen f\u00fcr Kirschen der Herkunft Schweiz\/T\u00fcrkei keine ausl\u00e4ndischen Kirschen verkauft wurden, so fragt man sich doch, weshalb dann die Herkunftsbezeichnung T\u00fcrkei \u00fcberhaupt ausgeschildert und nicht klar die Schweizer Herkunft ausgelobt wurde &#8211; was ja auch ein \u00fcberzeugendes Kaufargument f\u00fcr Konsumierende w\u00e4re. Zudem geht aus den Daten vom Bundesamt f\u00fcr Zoll und Grenzsicherheit hervor, dass zwischen dem 1. und dem 25. Juli 21 Tonnen Kirschen importiert wurden, obwohl von Seiten Produzierenden bereits eine reiche und \u00fcberdurchschnittliche Ernte angek\u00fcndigt war. Wer genau importiert hat, ist aus den Daten nicht ersichtlich, aber es fragt sich definitiv, welche Motivation solchen Importen zur Hauptsaison zu Grunde liegt, wenn eine ausreichende Inlandsverf\u00fcgbarkeit angek\u00fcndigt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist zu hoffen, dass es nicht die M\u00f6glichkeit ist, \u00fcber einen \u00dcberschuss die Produzentenpreise dr\u00fccken zu k\u00f6nnen und es ist zu hoffen, dass dies nicht beim n\u00e4chsten saisonalen Obst direkt wieder geschieht: der Traube. Denn obwohl die Traubenlese in der Schweiz noch nicht begonnen hat, finden sich aktuell Aktionen auf importierte Tafeltrauben auf grossen Verkaufsfl\u00e4chen in den hiesigen Grossverteilern, statt beispielsweise die Schweizer Kirschen attraktiver zu positionieren und den Verkauf dadurch zu beg\u00fcnstigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/kampagnenforum\/\" rel=\"noopener\">Den ganzen Bericht von Meret gibt es auf unserem Linkedin-Profil.<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile kf-author-box\" style=\"grid-template-columns:25% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1080\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/design_ohne_titel_3.jpg\" alt=\"Meret Schneider\" class=\"wp-image-1152 size-full\" srcset=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/design_ohne_titel_3.jpg 1080w, https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/design_ohne_titel_3-800x800.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unsere Autorin<\/h2>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Meret Schneider<\/strong> ist Linguistin, Kommunikations- und Umweltwissenschaftlerin und arbeitet als Projektleiterin f\u00fcr das Kampagnenforum. Davor war sie Nationalr\u00e4tin des Kantons Z\u00fcrichs, hat als Co-Gesch\u00e4ftsleitung einer NPO die Initiative gegen Massentierhaltung mitinitiiert, die Kampagne begleitet und war in verschiedenen Bereichen der landwirtschaftlichen Praxis t\u00e4tig. Heute ist sie ausserdem freischaffende Journalistin und schreibt w\u00f6chentliche Kolumnen f\u00fcr Moneycab sowie Gastbeitr\u00e4ge f\u00fcr Nau.ch.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem 1. August ben\u00f6tigt aktuell das Obstregal mehr Heimatliebe &#038; Stolz! Meret Schneider beleuchtet die Herausforderungen, mit denen Schweizer Kirschproduzent:innen konfrontiert sind \u2013 und fragt sich, wo die versprochene Solidarit\u00e4t geblieben ist.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":1205,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1626","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kampagnen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1626","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1626"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1626\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3942,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1626\/revisions\/3942"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1205"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1626"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1626"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1626"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}