{"id":1562,"date":"2021-03-29T21:38:00","date_gmt":"2021-03-29T19:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/blog\/2021-03-29\/mein-tipp-kein-tipp"},"modified":"2026-10-12T18:19:19","modified_gmt":"2026-10-12T16:19:19","slug":"mein-tipp-kein-tipp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kampagnenforum.ch\/de\/blog\/2021-03-29\/mein-tipp-kein-tipp","title":{"rendered":"Mein Tipp: Kein Tipp"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So viel Aufwind wie heute hatte die Umweltbewegung seit der Waldsterbe-Debatte Mitte der 1980er-Jahre nie mehr gehabt. Seit zwei Jahren schwappt eine Klimawelle \u00fcber die Welt, und damit auch \u00fcber die Schweiz. Mit u.a. den Folgen, dass das Parlament 2019 begr\u00fcnt worden ist und dass nun selbst die FDP Klima ein Thema findet. Hoffnung herrscht, dass sich in den n\u00e4chsten Jahren auf Gesetzesebene klimatisch einiges zum Guten bewegen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu bef\u00fcrchten ist allerdings, dass die Bewegung hin zum Guten nicht so schnell geschehen wird wie erhofft; so wird etwa das neue, einigermassen griffige CO2-Gesetz per Referendum bek\u00e4mpft. Zwar ist zweifellos der Druck zum Klima-Handeln gestiegen, doch nach wie vor verhindern und verz\u00f6gern m\u00e4chtige Wirtschafts-Lobbys (wie eben etwa die \u00d6llobby) wirksame gesetzliche Massnahmen (1). So wie wir es in \u00e4hnlicher Weise im letzten November in der Corona-Krise mitverfolgen konnten, als die b\u00fcrgerliche Kreise Wirtschaftsinteressen \u00fcber das Gemeinwohl stellten. Statt die Krise als Chance zu nutzen und das Wiederaufbauprogramm mit Klimavorgaben zu verbinden, wird auf Alt<em>un<\/em>bew\u00e4hrtes gesetzt. Hauptsache die Wirtschaft w\u00e4chst wieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn es trotz Dringlichkeit langsamer geht als erhofft, sollten sich Organisationen, die sich dem Klimaengagement verschrieben haben, mit Blick auf ihre Aktivit\u00e4ten einer alten und einer neuen Gefahr bewusst sein:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Alte Gefahr: auf Tipps f\u00fcr Verhaltens\u00e4nderungen ausweichen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kann einem Missstand nicht gen\u00fcgend schnell mit \u00c4nderungen auf der Gesetzesebene begegnet werden, neigen Engagierte dazu, sich \u00fcber ihre Organisationen dem Bereich der pers\u00f6nlichen Moral zuzuwenden. Sie verbreiten dazu Informationen \u00fcber ein \u00dcbel erg\u00e4nzt mit Appellen, Verhaltenstipps oder Zurechtweisungen, die das \u00abrichtige Verhalten\u00bb von Einzelpersonen einfordern. Dieses Propagieren korrekten Umweltverhaltens hatte es schon mal vor zwanzig Jahren gegeben. Bereits damals wurde moniert, Verhaltenstipps geben bedeute, Umweltschutz als Sache des Individuums und seiner Moral zu machen, was aber keine gesellschaftliche \u00c4nderung bringe (2).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besagtem Handlungsdruck mit der Verbreitung von Informationen und Verhaltenstipps zu begegnen, mag ein Ventil sein; dem Klima indes n\u00fctzt es wenig. Denn es sind immer nur Schon-\u00dcberzeugte und Pflichtbewusste, die durch Informationsaufnahme ihr Verhalten \u00e4ndern. Und das sind wenige. Solange solches aber nur vereinzelt geschieht, bewirkt die eigene Verhaltens\u00e4nderung ausser einem guten Gewissen nichts. Verhaltensa\u0308nderungen werden fu\u0308rs Klima erst relevant, wenn sie massenhaft geschehen. Und massenhaft zum Tragen kommt nur das, was gemeinsam beschlossen, verordnet oder mit einer Kampagne angestossen wird. In fast allen andern Fa\u0308llen scheitert die Strategie u\u0308ber freiwillige Verhaltensa\u0308nderungen an der Tra\u0308gheit der Mehrheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass entgegen der Erkenntnisse (siehe dazu z.B. die Artikel (3)) trotzdem versucht wird, diesen Weg zu beschreiten, ist der Tatsache geschuldet, dass er einleuchtend scheint: Erstens, \u00fcber ein Problem informieren schaffe zweitens Bewusstsein und dieses l\u00f6se drittens die gew\u00fcnschte Verhaltensa\u0308nderung aus. So der Dreischritt der moralischen Aufkl\u00e4rung. Doch Moral sch\u00fcttet das Kind mit dem Bade aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn die Sozialpsychologie zeigt, dass Normen (\u00abtun was die Mehrheit tut\u00bb), Rebound-Effekte (Eingespartes wird anderswo wieder ausgegeben) und die Allmendeklemme (\u00abdie anderen sollen zuerst anfangen\u00bb) die Verhaltens\u00e4nderungen Einzelner wie Tropfen im Meer untergehen lassen (mehr zu den sozialpsychologischen Effekten siehe Kasten). Tipps f\u00fcr korrektes Verhalten bewirken nicht selten sogar das Gegenteil dessen, was sie beabsichtigen: Man nimmt sie als willkommenes Angebot, durch das Einhalten des einen das Ignorieren des andern zu rechtfertigen im Stile von: \u201cIch fahre t\u00e4glich Velo, also darf ich ab und zu fliegen\u201d. Man tut, was einfach geht, um sich f\u00fcr das entschuldigen zu k\u00f6nnen, wo man tatenlos bleibt. Kommt hinzu, dass wer engagiert an der eigenen \u00d6kobilanz feilt, sich entpolitisieren kann: Man hat ja seinen Beitrag geleistet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht selbstverst\u00e4ndlich nicht darum, jene zu verunglimpfen, die sich klimaschonend verhalten. Nur als Strategie f\u00fcr systemische Ver\u00e4nderungen einer Organisation ist es untauglich, den Hebel bei freiwilligen Verhaltens\u00e4nderungen anzusetzen. Tipps und Appelle zielen auf Symptome statt auf Ursachen ab. Das ist so, als w\u00fcrde dazu aufgerufen, den Boden aufzuwischen, w\u00e4hrend der Wasserhahn offen bleibt und die Badewanne weiter \u00fcberl\u00e4uft. Ziel sollte vielmehr sein, den Wasserhahn zuzudrehen. Das heisst, es geht darum, die Klimaschutz-Bestrebungen auf sozialpsychologische Einsichten (siehe Kasten) abzust\u00fctzen und trotz aller Dringlichkeit das Langfristige nicht aus den Augen zu verlieren. Denn Appelle &#8211; fahr weniger Auto!, iss kein Fleisch!, heiz weniger!, verzichte auf Plastik! &#8211; f\u00fchren zu keinem relevanten Mass an Verhaltens\u00e4nderungen. Verhaltensanweisungen wirken nur, kann eine Gefahr mit eigener Kraft unmittelbar abgewendet werden. Wie bei Covid: Den Anweisungen \u00abH\u00e4nde waschen\u00bb, \u00abR\u00e4ume gut l\u00fcften\u00bb und \u00abDistanz halten\u00bb zu folgen, hilft direkt, eine Ansteckung zu vermeiden. Doch dieser unmittelbare Effekt tritt bei Umweltbelangen nie ein (bzw. h\u00f6chstens kleinr\u00e4umig). Erst recht nicht bei Klimafragen. Und hier lauert die \u00abneue Gefahr\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Neue Gefahr: Auf Dringlichkeit pochen, doch unmittelbare Klimaschutz-Effekte gibt es nicht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erdatmosph\u00e4re ist ein \u00e4usserst tr\u00e4ges System. Was heute mit ihr getan wird, zeigt sich nicht schon morgen, sondern erst \u00fcber\u00fcber\u00fcbermorgen. So haben die Wetterkapriolen von heute ihre Ursachen in den 1990er und den Nuller Jahren. Anders gesagt: W\u00fcrde ab morgen kein CO2 mehr ausgestossen, dauerte es mehr als zehn Jahre bis eine positive Klima\u00e4nderung sp\u00fcrbar w\u00fcrde. Doch noch immer wird oft alarmistisch auf Katastrophe gemacht, um so Menschen zu Verhaltens\u00e4nderungen zu dr\u00e4ngen. Solche Kommunikation birgt das Risiko des Zur\u00fcckkippens: Gehorchen Menschen nicht aus \u00dcberzeugung, sondern wegen der Dringlichkeit und \u00e4ndern ihr Verhalten, werden sie rasch zu den alten Mustern zur\u00fcckkehren, wenn sich ihrer Verhaltens\u00e4nderung zum Trotz das Klima doch nicht bessert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr sie f\u00fchlt sich das an wie die Nutzlosigkeit eines einzelnen Tropfens in einer leeren Giesskanne. Um das Gef\u00fchl zu bekommen, als Tropfen von Belang zu sein, braucht es die Gewissheit, gemeinsam mit vielen andern die Kanne zu f\u00fcllen. Das ist der Kampagnenansatz f\u00fcr L\u00f6sungen (siehe dazu die zehn \u00abPathways of Change\u00bb (4) sowie die <a href=\"https:\/\/www.kampagnenforum.ch\/de\/blog\/2021-01-25\/wenn-umweltschutz-einladend-ist\">Kolumne zu sozialen Normen<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was heisst das?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ja eigentlich absurd, bei der Notwendigkeit einer Reduktion von Abermilliarden von Tonnen CO2, mit viel Einsatz einzelne Kilos \u00fcber freiwillige Verhaltens\u00e4nderung weg bringen zu wollen. F\u00fcrs Klima brauchen wir Politik, nicht individuelle Moral. Wie es Claudia Kemfert in ihrem Buch <a href=\"https:\/\/www.mondaysforfuture.net\/\" rel=\"noopener\"><em>Mondays for Future<\/em><\/a> schreibt: \u00abWo es ihnen [den B\u00fcrger*innen] schwerf\u00e4llt, Gewohnheiten abzulegen, muss der Staat mit Verboten helfen\u00bb. Und wenn der Staat b\u00fcrgerlich ist, muss man versuchen, ihm mit Kampagnen auf die Spr\u00fcnge zu helfen, um Verhaltensgebote durchzusetzen. Das ist die eine, \u00fcbliche Art Kampagne, auf den Gesetzgeber einwirken.  Die andere: Ist f\u00fcr ein Ziel eine bestimmte (massenhafte) Verhaltens\u00e4nderung zentral, muss ihr mit einer langfristigen Kampagne zum Durchbruch verholfen werden, das heisst \u00fcber eine neue gesellschaftliche Norm (s. Kasten) zum Verbot bzw. Gebot.<br\/>\nMit anderen Worten: Statt die Klimakrise mit hunderten von Tipps zu begleiten (siehe z.B.<a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/bafu\/de\/home\/themen\/klima\/dossiers\/magazin-umwelt-leben-klimawandel\/klimatipps-fuer-den-alltag.html\" rel=\"noopener\"> BAFU<\/a>. <a href=\"https:\/\/echtzeit.ch\/buch\/weniger-ist-weniger\" rel=\"noopener\">Das Magazin<\/a> oder<a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/umwelt-und-ressourcen\/klima-und-luft\/klimawandel\/06740.html\" rel=\"noopener\"> Naturschutzbund<\/a>), w\u00e4re es wirksamer, eine oder zwei besonders relevante Verhaltens\u00e4nderungen (5) mit viel Kampagne und Kommunikation so weit zu bringen, dass jede\/r merkt, dass am Hahn gedreht wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist man beispielsweise \u00fcberzeugt, fleischarm zu essen und massenhaft getan sei klimarelevant, und es sei ausserdem gut, damit modellhaft in der Schweiz zu beginnen (5), dann reicht es nicht, einen Ratgeber f\u00fcr eine fleischarme Ern\u00e4hrung in Form eines Posters herauszugeben und den Mitgliedern zu schicken. So wird nicht fleischarm. Das gute Gef\u00fchl nach der Publikation einer Aufkl\u00e4rungsschrift ist tr\u00fcgerisch. Es entspringt der daf\u00fcr aufgewendeten Energie \u2013 man hat \u00abetwas\u00bb getan \u2013 und nicht der Wirkung. Nachhaltige Wirkung erzielt nur eine mehrj\u00e4hrige Kampagne mit Partnern und mit Partizipation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(L\u00f6sungs-)Kampagnen \u2013 ob f\u00fcr ein Dorf oder f\u00fcrs ganze Land angelegt \u2013 lassen Menschen, die ihr Verhalten \u00e4ndern, erfahren, dass sie nicht alleine sind. Es geht mehr um Aufw\u00e4rmung und weniger um Aufkl\u00e4rung. Zeigen statt predigen: Die meisten Menschen kommen \u00fcbers Handeln zum Denken und nicht umgekehrt, also erfahrbar machen, dass Verzicht nicht nimmt, sondern gibt: Das ist des Pudels Kern nachhaltiger Entwicklung. So kann mit einer Kampagne die Allmendeklemme geknackt werden, und z.B. eine neue Norm entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(1) siehe etwa \u201cSieben Gr\u00fcnde, warum die Schweiz im Jahr der Pandemie den Klimaschutz verschlafen hat\u201d, <a href=\"https:\/\/www.republik.ch\/2020\/12\/18\/sieben-gruende-warum-die-schweiz-im-jahr-der-pandemie-mehr-klima-schutz-verschlafen-hat\" rel=\"noopener\">Artikel in der Republik vom 18.12.20<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(2) siehe dazu z.B.<a href=\"http:\/\/www.umps.de\/php\/artikeldetails.php?id=399\" rel=\"noopener\"> Den Spiess, nicht den Spiesser umdrehen<\/a>)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(3) Erkenntnisse zur Nichtwirkung von Klima-Tipps: <\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>\u00ab<a href=\"https:\/\/newsakmi.com\/news\/science\/want-some-eco-friendly-tips-a-new-study-says-no-you-dont\/\" rel=\"noopener\">Want some eco-friendly tips? A new study says no you don\u2019t<\/a>\u00bb<\/em><\/li>\n\n\n<li><em>\u00ab<a href=\"https:\/\/journals.ametsoc.org\/wcas\/article-abstract\/doi\/10.1175\/WCAS-D-19-0141.1\/354718\/Don-t-Tell-Me-What-to-Do-Resistance-to-Climate\" rel=\"noopener\">Don\u2019t Tell Me What to Do &#8211; Resistance to Climate Change Messages Suggesting Behavior Changes<\/a>\u00bb<\/em><\/li>\n\n\n<li><em>Limmattaler Zeitung (Aug 20): <a href=\"https:\/\/epaper-service.azmedien.ch\/Nachrichten\/issue-LT-20201015-article-0274454740-p1447609.html?uid=dec4a5dc-2a89-4826-a79b-8230b86a2ade&amp;Edition=LT\" rel=\"noopener\">Warum unsere guten Absichten der Umwelt nichts n\u00fctzen<\/a><\/em><\/li>\n\n\n<li><em><a href=\"https:\/\/nyupress.org\/9781479891313\/ecopiety\/\" rel=\"noopener\">Ecopiety: Green Media and the Dilemma of Environmental Virtue<\/a>. <\/em><\/li>\n\n\n<li><em>\u00ab<a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/ideas\/archive\/2020\/08\/your-tote-bag-can-make-difference\/615817\/\" rel=\"noopener\">More \u201cshowing\u201d and less \u201ctelling.\u201d<\/a> \u00bb<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(4) \u00ab<a href=\"https:\/\/www.evaluationinnovation.org\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Pathways-for-Change.pdf\" rel=\"noopener\">Pathways of Change<\/a> &#8211; 10 Theories to Inform Advocacy and Policy Change Efforts\u00bb, darin namentlich die sog. taktischen \u201cTheories of Change\u201d, die auf (sozial)psychologischen EInsichten beruhen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(5) Am besten im Einklang mit einer der <a href=\"https:\/\/climatestrike.ch\/de\/crisis#solution-proposals\" rel=\"noopener\">137 Massnahmen, die die Klimastreikbewegung<\/a> f\u00fcr eine klimaneutrale Schweiz bis 2030 vorschl\u00e4gt <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>(6)  Die Schweiz ist \u00abnur\u00bb als Banken- und Rohstoffh\u00e4ndler \u00abGastland\u00bb global klimarelevant, nicht aber in ihrem Binnenausstoss, der weniger als 1% der weltweiten klimarelevanten Emissionen ausmacht. Wenn in der Schweiz klimapolitisch etwas getan bzw gefordert wird, ist es vor allem dann relevant, wenn es mit Blick auf eine Kopiervorlage f\u00fcr andere L\u00e4nder getan wird.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vier verhaltensrelevante sozialpsychologische Grundmuster<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><em><strong>Das Verhalten der Mehrheit wirkt als gesellschaftliche Norm. <\/strong>Und neue Normen k\u00f6nnen sich entwickeln, z.B. das, was in einer gesellschaftlichen Gruppe entstanden ist, kann durch Trend, Influencer oder Kampagne sich verbreiten. Normen sind oft Vorl\u00e4ufer f\u00fcr Gesetze. Denn es ist wahrscheinlicher, dass ein Gesetz eine Folge einer sich verbreitenden Norm ist, als dass mit einem Gesetz eine Norm erzwungen werden kann: Gesetzgeber neigen dazu, sich gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen anzupassen und nicht umgekehrt (mehr dazu in der Kolumne <a href=\"https:\/\/www.kampagnenforum.ch\/de\/blog\/2021-01-25\/wenn-umweltschutz-einladend-ist\">\u00abWenn Umweltschutz einladend ist<\/a>\u00bb)<\/em><\/li>\n\n\n<li><em><strong>Die \u00abAllmende-Klemme\u00bb <\/strong>besagt, dass ein \u00f6ffentliches Gut (z.B. Luft oder eben eine Allmende) umso st\u00e4rker f\u00fcr eigene Zwecke gebraucht und dadurch belastet wird, je weniger das Nutzungsverhalten unter den Nutzer\/innen abgesprochen ist. Nach dem Motto: \u00abIch bin mir nicht sicher, was die anderen tun. Deshalb nehme ich lieber zu viel als zu wenig\u00bb. Eigenn\u00fctziges Verhalten wird mit Ausreden wie \u00abSollen andere doch anfangen!\u00bb, oder: \u00abAuf meinen Beitrag kommt es eh nicht an!\u00bb gerechtfertigt (mehr dazu im<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tragik_der_Allmende\" rel=\"noopener\"> Wikipedia<\/a>).<\/em><\/li>\n\n\n<li><em><strong>Der \u00abRebound-Effekt<\/strong>\u00bb bedeutet im \u00f6kologischen Zusammenhang, einen Umweltgewinn durch Mehrgebrauch wieder zu verlieren. Zum Beispiel: Wer Energie spart, spart Geld. Wird dieses eingesparte Geld aber z.B. f\u00fcr Produkte mit viel grauer Energie ausgegeben, wird der Energiespareffekt zunichte gemacht.<\/em><\/li>\n\n\n<li><em><strong>Der Stupser &#8211; neudeutsch \u201cNudging\u201d<\/strong>. Unterschwellig zum gew\u00fcnschten Verhalten schubsen ist eine wirkungsvolle, wenn auch nicht immer unproblematische Methode. Mehr dazu in der <a href=\"https:\/\/www.kampagnenforum.ch\/de\/blog\/2019-06-06\/nudging\">Kolumne zur \u201c\u00d6koselbstverst\u00e4ndlichisierung\u201d.<\/a><\/em><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile kf-author-box\" style=\"grid-template-columns:25% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"804\" height=\"528\" src=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/kuno_portraitbild.jpg\" alt=\"Kuno Roth\" class=\"wp-image-441 size-full\" srcset=\"https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/kuno_portraitbild.jpg 804w, https:\/\/kampagnenforum.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/kuno_portraitbild-800x525.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 804px) 100vw, 804px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unser Autor<\/h2>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Arbeitet als Leiter des globalen Mentoring-Programms bei Greenpeace International. Zuvor war er 25 Jahre lang Bildungsverantwortlicher von Greenpeace Schweiz.<\/p>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jahrgang 57, Dr. rer. nat., ehemaliger Chemiker, arbeitet nun als Human\u00f6kologe, Lernspezialist sowie auch Schriftsteller. Neben Kolumnen schreibt er vor allem Gedichte und Aphorismen. Seine letzten Ver\u00f6ffentlichungen sind \u00abIm Rosten viel Neues\u00bb (Gedichte, 2016) sowie \u00abAussicht von der Einsicht\u00bb (Aphorismen, 2018). Sein neuestes Buch <a href=\"https:\/\/www.prolyrica.com\/neuerscheinungen\/klima-vista\/\" rel=\"noopener\">\u2039KL!MA VISTA \u2013 Die Schneefallgrenze steigt\u203a Gedichte und Aphorismen<\/a> ist am 23.10.2020 bei <a href=\"https:\/\/prolyrica.ch\/b-b\/kuno-roth\" rel=\"noopener\">Pro Lyrica<\/a> erschienen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So viel Aufwind wie heute hatte die Umweltbewegung seit der Waldsterbe-Debatte Mitte der 1980er-Jahre nie mehr gehabt. 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