Ein gutes Video zu haben bringt nichts, wenn es niemand sieht. Aber wie erreicht ein Video möglichst viele Menschen? Und wie erreicht es die richtigen Menschen? Wie wird ein Video "viral" und verbreitet sich (und Ihre Botschaft) fast wie von alleine? Hier finden Sie Tipps und Strategien rund um die Distribution.
Die Rahmengeschichte oder das Setting Ihrer Video-Botschaft hat einen grossen Einfluss darauf, welche Möglichkeiten Ihnen bei der Distribution – insbesondere im Internet – offen stehen. Deshalb sollten Sie sich schon bei der Konzeption ihres Video überlegen, wie sie es unter die Leute bringen möchten.
Überlegen Sie sich bereits bei der Konzeption, welches Ihr anvisiertes Publikum ist. Wollen Sie möglichst viele Zuschauer oder reicht es, wenn es die Interessierten oder die Aktiven sehen?
Je nach Zielgruppe unterscheiden sich Distributionskanäle. Legen Sie also frühzeitig fest, an wen Sie sich mit dem Video richten. Entscheidungsträger oder Spassvögel? Breite Masse oder Wahlberechtigte einer bestimmten Stadt? Bananen-Konsumierende oder an Kinderbetreuung Interessierte?
Ausserhalb des Internets sind für Non-Profit-Organisationen (NPOs und NGOs) die Möglichkeiten nur schon aus finanziellen Gründen relativ beschränkt, eine grosse Menge Menschen zu erreichen. Werbespots im Fernsehen (oder auf Adcsreens im öffentlichen Raum) zu schalten, ist teuer.
Ein paar Chancen gibt es aber trotzdem: Die beste Möglichkeit, ohne gekaufte Sendezeit im Fernsehen ausgestrahlt zu werden, ist natürlich der redaktionelle Teil. Dazu müssen Sie der Redaktion aber gute Gründe geben. Beachten und bedienen Sie hierzu die bekannten Nachrichtenwerte wie Relevanz, Prominenz oder Betroffenheit. Ist ihr Thema zu wenig spektakulär oder von zu wenig gesellschaftlicher Relevanz, können Sie versuchen, durch die Verpackung ihres Themas einen höheren Newswert zu schaffen. Die SVP hat dies mit dem legendären Wahlkampfvideo "Himmel oder Hölle" unfreiwillig geschafft (oder war die peinliche Machart sogar Kalkül?). Es musste schliesslich wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechten - unter unbezahlbarem Medienrummel - vom Netz genommen werden.
Ist Ihr Thema hingegen brisant, besteht die Möglichkeit, Recherchen zu machen und Situationen zu filmen, welche von einer TV Redaktion aus juristischen Gründen vielleicht gar nicht gedreht werden dürfte. Dies können Sie einer Redaktion zuspielen, welche dann aufgrund dieses Materials einen Beitrag produzieren kann: Kag-Freiland konnte mit schockierenden Bildern aus Kaninchenställen einen Kassensturz-Beitrag anregen und "stadt.labor" schaffte es, dank der eigenhändigen Dokumentation einer witzigen aber nicht ganz korrekten Aktion in einen Beitrag der Rundschau.
Abgesehen vom Fernsehen bleiben ihnen nur noch öffentliche Live-Aufführungen an Festivals oder selber organisierten Events. Oder aber das Internet.
1. Verhaltensweise von Nutzenden verstehen
Das Internet ist ein immer wichtiger werdender Distributionskanal für Videos. Besonders junge und gebildete Menschen suchen sich heute ihr Informations- und Unterhaltungsprogramm selbständig im World Wide Web zusammen. Sie schauen Videos dann, wenn es ihnen passt und nicht zu vorgegeben Sendezeiten und sie hangeln sich im Netz der Verlinkung von Video zu Video. Sie schicken sich gegenseitig Links zu Videos zu oder binden diese auf ihren Blogs oder Social-Networking-Profilen ein und teilen sie mit ihrem Bekanntenkreis.
Wir fokussieren deshalb im Folgenden auf Distributionsstrategien im Internet. Aufgrund der immensen Grösse des Internets und seiner Struktur lautet die entscheidende Frage hier nicht "wie findet Ihr Video seine Zielgruppe" sondern vielmehr "wie findet die Zielgruppe Ihr Video."
2. Hosting
Wichtigste Voraussetzung für eine wirksame Distribution im Internet ist, dass Sie Ihr Video auf eine Media-Hosting-Plattform wie zum Beispiel Youtube oder Vimeo hochladen. Dies erspart Ihnen nicht nur technischen Ärger sondern macht es möglich, dass Ihr Video von Rezipienten problemlos in eigene Blogs oder Community-Plattformen eingebunden werden kann. Falls Sie Ihr Video nur auf Facebook veröffentlichen, kann Ihr Video nur innerhalb von Facebook geteilt werden und Sie können die umfangreichen statistischen Daten zu Aufrufen, welche zum Beispiel Youtube bietet, nicht nutzen. Selbstverständlich sollten Sie das Video nach dem Hochladen auf Youtube auf Profilen und Gruppen in Facebook oder anderen Community-Plattformen einbinden.
3. Key-Word-Optimierung
Die meisten Dinge im Internet werden aus einem dieser zwei Gründe gesehen: Ihre Zielgruppe findet das Video durch eine Internet-Suche oder beim Browsen oder aber das Video wird Ihrer Zielgruppe empfohlen. In vielen Fällen wird ein Video beim scheinbar zufälligen Surfen gefunden. Die Überlegungen hinter der Strategie "gefunden zu werden", nennen Fachleute "Suchmaschinen-Optimierung" und "Schlagwort-Optimierung". Dazu finden sich im Internet unzählige spezialisierte Blogs mit Tipps und Strategien.
Das Prinzip ist aber relativ einfach: Alles dreht sich um Titel, Beschreibung und Links. Der Titel ihres Videos muss diejenigen Begriffe enthalten, nach denen Ihre Zielgruppe sucht. Text und Stichwörter in der Beschreibung des Videos sollten viele zum Video oder zum Thema relevante Begriffe enthalten. Und schliesslich sollten möglichst viele Links auf Ihr Video verweisen.
4. Kontextualisierung
In dem Sie Ihr Video durch geschickte Betitelung und durch geschicktes Verschlagworten (taggen) in einen bestimmten thematischen Kontext stellen, können Sie erreichen, dass ihr Video von Zielgruppen gefunden wird, welche niemals selber auf die Idee kämen nach dem Thema Ihres Videos zu suchen. Ein gelungenes Beispiel ist die Greenpeace-Kampagne gegen Dove.
Beispiel Kontextualisierung: Greenpeace vs. Dove
Kommentar: Greenpeace hat mit diesem Video über die Regenwaldabholzung aufgrund der Palmölproduktion formal und inhaltlich Bezug genommen auf ein Werbevideo von Dove. Dies gab Greenpeace die Möglichkeit, ähnlichen Schlagwörter zu verwenden, worauf das Video von der Youtube-Kontextualisierung-Maschine als "verwandt" mit dem Dove-Video erkannt wurde. Allen, die das Dove-Video sahen, hat Youtube anschliessend das Greenpeace-Video vorgeschlagen. Durch das geschickte Aufspringen auf die Dove-Kampagne hat Greenpeace es geschafft, eine grössere Verbreitung der Botschaft zu erreichen – insbesondere auch bei Menschen, welche sich eigentlich für das Thema "Schönheit" interessieren.
"Original"-Video von Dove: (Man beachte die Vorschläge von Youtube am Ende des Videos)
Weiters Beispiel: Kag-Freiland wollte ein Video veröffentlichen, in welchem die tierquälerische Haltung von Kaninchen angeprangert wird. Wir haben ihnen empfohlen, in diesem Video auch ein Standbild der Ex-Miss-Schweiz und Kag-Freiland Botschafterin Nadine Vinzens einzubauen, auf welchem Sie ein Kaninchen in den Armen hält. Dies hat es ermöglicht, im Titel und in der Beschreibung die Stichwörter "Miss Schweiz" und "Nadine Vinzenz" zu benutzen. Dadurch wurde es von Menschen gefunden, welche sich eigentlich für Promi-News und „Missen“ interessierten.
5. Titel- und Titelbild-Optimierung
Dass ein Video nur gefunden wird, reicht natürlich noch nicht. Der Finder muss das Video auch noch anschauen wollen. Ob er dies tut und auf den Titel-Link oder das Titel-Bild klickt hängt stark davon ab, was ihm diese versprechen und wie attraktiv diese sind. Nehmen Sie sich Zeit, einen guten Titel zu texten. Preisen Sie schon im Titel das Spektakel oder die Exklusiv-Informationen, welche Ihr Video zu bieten hat, an. Sie können ein Video auch mehrmals hochladen und unter verschiedenen Titelvarianten veröffentlichen.
Dasselbe gilt für das Titelbild. Youtube bietet Ihnen drei Standbilder aus Ihrem Video an, aus denen Sie das Titelbild wählen können. Wählen sie das attraktivste aus! Eines dieser drei Bilder ist das Bild, welches sich genau in der Mitte Ihres Videos befindet. Wenn Sie eine klare Vorstellung davon haben, wie das Titelbild aussehen soll, sorgen sie dafür, dass dieses Bild in der Mitte des Videos vorkommt.
6. Der virale Effekt
Eine sehr effiziente und günstige Distributionsstrategie, von der im Moment fast alle Marketingverantwortlichen träumen, ist der "virale Effekt". Ob ein Video "viral" wird, also von Rezipienten freiwillig an Freunde und Bekannte weitergeschickt wird und in ihrem Blog oder Social-Media-Profil empfohlen wird, hängt hautsächlich von folgenden vier Faktoren ab.
Bedenken Sie also, dass alle, die ein Video weiterempfehlen sollen, damit eine Aussage über sich selbst machen können - aber auch machen müssen. Viele Menschen würden aus genau diesen Überlegungen gewisse Videos nicht weiterleiten: z.B. weil sie nicht mit dem Stil oder Humor des Videos in Verbindung gebracht werden möchten, nicht öffentlich zum Inhalt des Videos stehen wollen, Freunde nicht mit Irrelevantem belästigen oder als als Spammer gelten möchten.
Zu obigen Punkten finden Sie in diesem Video eine (nicht immer ganz ernst gemeinte) Zusammenfassung im Schnelldurchlauf:
Exclusive! Leaked! How to make Viral Videos!
Haben Sie weitere Fragen rund um die schlagkräftige Verbreitung von Videos oder wünschen Sie Beratung für das Seeding oder die richtige Stichwort-Strategie, dann erreichen Sie Peter Haberstich unter 044 500 31 01 oder phaberstich@kampagnenforum.ch.
Gerne entwickeln wir auch Videoideen, welche zu Ihrer Zielgruppe und Ihren Inhalten passen oder produzieren für Sie ein entsprechendes Video.
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