Geben Sie den Unterstützern und Sympathisantinnen Ihres Anliegens ein starkes Instrument zur Hand, um selber an einer Kampagne mitzuarbeiten: Video. Machen Sie mehr Menschen zu Mitkommunikatoren, die zum Beispiel auf der Strasse Testimonials oder Facts einfangen oder mit ihrer Stimme eine Idee umsetzen. Finden Sie im neuen Teil der KF-Videoserie Tipps und Anregungen zum Einbinden von Freiwilligen über das Medium Video.
„User Generated Content“, also Inhalt, der von Benutzern erstellt wird, ist die treibende Kraft hinter dem Web 2.0. Medienkonzerne sehen in solchen Inhalten gar die Zukunft ihrer Inhaltsproduktion. Warum also dieses Prinzip nicht auch für Kampagnen nutzen?
Dank billigen Videokameras und einfach zu bedienenden Schnittprogrammen können heute praktisch alle, die die Musse haben, ein Video produzieren. Social-Media-Plattformen wie Youtube oder Netzwerke wie Facebook machen es zudem möglich, dass sie dieses im Internet auf einfache Weise der Welt zugänglich machen können. Aber auch ausserhalb der digitalen Medien finden solche Videos ihr Publikum. So zum Beispiel an Veranstaltungen von Organisationen, Kurzfilmfestivals oder im schulischen Kontext.
Beispiel 1: Obama Girl: I got a Crush on Obama und Nachahmer
Kommentar: Dieses Video war für die Obama-Kampage bestimmt nicht schädlich. Es wurde zwar von Profis produziert – aber nicht im Auftrag der Obama-Kampagne. Das Interessante an diesem Beispiel ist, dass das Video viele Nachahmerinnen gefunden hat. So inspirierte es beispielsweise Sympathisanten, Videos ins Netz zu stellen, in denen ihre kleinen Kinder als „Little Obama-Girls“ für Obama Werbung machten. (Bsp.: Youtube: Little Obama Girl
Wie können wir dieses Potential für unsere Kampagnenarbeit nutzen? Die Qualität von Videos, welche von Laien gedreht wurden, mag nicht die beste sein, doch darum geht es hier nicht. Wir sehen folgende vier wichtigsten Nutzen:
Indem Sie Ihren Unterstützenden die Möglichkeit geben, mit ihrem Talent an der Kampagnenarbeit zu partizipieren, zeigen Sie ihnen, dass Sie sie ernst nehmen und ihre Mitarbeit schätzen. Diese Art, ihre Unterstützenden zu Mitkommunikatoren zu machen schafft die Motivation, sich für weitere Aktivitäten einzusetzen sowie eine tiefere Bindung und Auseinandersetzung mit Ihren Themen.
Beispiel 2: Konsumenten zu Käfigeiern in Aldiprodukten
Kommentar: Aktivsten von Vier Pfoten befragten vor Aldi-Filialen Konsumenten zu versteckten Käfigeiern in Teigwaren. Das Material wurde nachträglich vom Kampagnenforum mit dem Logo von "Vier Pfoten" versehen.
Rezipienten von Inhalten, welche von Ihren Unterstützenden erstellt wurden, schenken diesen in gewissen Kommunikationssituationen eine grössere Glaubwürdigkeit als vielleicht einem professionell produzierten Spot aus dem Hauptquartier Ihrer Organisation. Sie werden tatsächlich einmal von den vielbeschworenen „Menschen wie du und ich“ auf gleicher Augenhöhe angesprochen. So zeigen Sie, dass es wirklich Freiwillige gibt, welche sich für Ihr Anliegen einsetzen. Dies gelingt umso mehr, wenn Sie es schaffen, dass Ihre Mitkommunikatoren in ihrem persönlichen Netzwerk kommunizieren und so zu Multiplikatoren werden.
Beispiel 3: Monika Spring wählt Corine Mauch
Kommentar: Aktivisten der SP-Stadt Zürich besuchten vor der Stadtpräsidentinnen-Wahl Menschen in Ihrem Umfeld und filmten Testimonials. Die Frage lautete ganz simpel: „Warum wählst Du Corinne Mauch?“
Durch den Einbezug von Unterstützenden als Mitkommunikatoren und Multiplikatorinnen können jede Menge Inhalte generiert werden und Ihre Botschaft gewinnt an Reichweite. Ihre Themen erreichen so nicht nur mehr Menschen sondern auch unterschiedliche Publika, da auch Ihre Kommunikatoren aus verschiedenen Umfeldern kommen. Viele verschiedene Video-Clips durch unterschiedliche Sprachrohre veröffentlichen zu können macht es auch wahrscheinlicher, dass jemand zufällig auf Ihre Botschaft stösst, so zum Beispiel im auf Internetplattformen.
Beispiel 4: Stop the Terror! Stoppt Tierquälerei! Together we are strong
Kommentar: Dieses Video müssen Sie nicht zu Ende schauen, es wird nicht spannender. Die laut Youtube-Profil 16 Jährige „GlamourJasmin“ klagt darin mit einer Diashow aus Bildern, die sie aus dem Internet geladen hat über Tierversuche. Wahrscheinlich wurde sie von niemandem dazu aufgefordert, aber das Beispiel zeigt, dass Organisationen Menschen finden könnten, welche für Sie solche Videos produzieren. Die hohe Anzahl Views ist wahrscheinlich auf den Titel zurückzuführen, in dem der anscheinend bekannte Name des Songs vorkommt, mit welchem die Autorin ihre Bilder untermalt hat.“
Schon die Vorstellung einer Horde mit Videokameras bewaffneter Aktivisten kann vielleicht beim Gegner dazu führen, „den Schwanz einzuziehen“. Auch wenn dies nicht Ihr Ziel ist, dient die Dokumentation von Fehlverhalten, das Sie mit Video anprangern oder aufdecken möchten als Druckmittel. Rufen Sie Menschen dazu auf, ein bestimmtes Verhalten zu dokumentieren kann die mögliche Veröffentlichung als gute Drohkulisse dienen.
Die grösste Gefahr, die eine Kommunikationsstrategie mit Unterstützenden als Mitkommunikatoren ist eine mögliche Verzerrung Ihrer Botschaft. Auch Tonalität und Stil können unter Umständen von Ihrer Corporate Identity und Ihrem Kommunkationskonzept abweichen. Hier gilt es abzuwägen, was Ihnen wichtiger ist und der Kampagne mehr dient. Versuchen Sie aber auf jeden Fall, die Kommunikation Ihrer Unterstützenden so gut wie möglich zu steuern.
Beispiel 5: Jetzt neu: mar tell-i Schlaftabletten!
Kommentar: Dieses Video haben SP-Zürich-Mitglieder gemacht, und es hätte niemals die Richtlinien zur „Political Correctness“ des Parteisekretariats erfüllt. Vielleicht war es in diesem Fall besser, dass die Produzenten ihr Vorhaben nicht mit der Wahlkampfleitung abgesprochen hatten. Videos von Unterstützern können also auch eine Chance sein. So kommen Botschaften in die Welt, welche Ihre Organisation gar nicht selber aussenden dürfte.
Eine Steuerung der Kommunikation Ihrer Unterstützenden ist möglich, indem Sie ihnen einfach umsetzbare Vorlagen oder Beispiele geben, in deren Rahmen sie Videos produzieren können. Sie finden Anregungen dazu weiter unten.
Die Art solcher Vorlagen ist eng gekoppelt an die Rolle, welche Sie Ihren Unerstützenden zuweisen. Diese Rolle bestimmt auch die Motivation. Sind sie kreative Teilnehmer eines Kurzfilmwettbewerbes oder investigative Journalistinnen? Spielen Sie Detektiv oder Strassenumfragerin? Video-Wachhund oder Teilnehmer einer Talentshow?
Es gibt viele Menschen, welche Lust haben, an einer Videoproduktion mitzuarbeiten. Entscheidend sind dazu die Anreizstrukturen, welche Sie schaffen müssen. Die Motivation ist womöglich für alle eine unterschiedliche: Die einen nehmen die Chance wahr, ihren Narzissmus auszuleben, in dem Sie sich selbst als Schauspieler, Journalistin oder Moderator inszenieren. Andere wiederum möchten die Welt retten oder einfach nur einen Wettbewerb gewinnen und vielleicht berühmt werden dabei. Wieder andere sehen ganz einfach eine sinnstiftende Möglichkeit, ihrer Leidenschaft als Kamerafrau oder Multimedia-Composer zu frönen. Nutzen Sie all diese unterschiedlichen Talente und Beweggründe für Ihre Kampagne!
Geben Sie Ihren Unterstützenden konkrete und einfach umsetzbare Vorlagen oder Vorgaben, in deren Rahmen sie einen Videobeitrag produzieren können. Dies ist besonders wichtig, wenn Sie eine grosse Masse von Inhalten produzieren lassen.
Möglichkeiten für Vorlagen für einen Videoaufruf:
Nehmen Sie sich die Zeit, eine gute Idee für eine gute Vorgabe zu entwickeln. Die Idee sollte zu Ihrer Kampagne passen. Vielleicht lohnt es sich, dazu ein Brainstorming mit ein paar interessierten Unterstützern zu veranstalten.
Lassen Sie Ihre Produzenten so wenig wie möglich selber schneiden – ausser Sie veranstalten einen Talentwettbewerb und sind auf möglichst professionelles Material aus. In der Regel sind die meisten Laien mit der Postproduktion fachlich und zeitlich überfordert. Geben Sie eine Vorlage, die praktisch ohne Schnitt realisiert werden kann.
Überlegen Sie sich, ob Ihre Zielgruppe sich überhaupt in eine solche Situation wagen würde. Es ist nicht allen gegeben, auf der Strasse fremde Menschen mit einer Kamera zu überfallen oder an den Nordpol zu reisen und eine Robbenschlachterei zu dokumentieren. Geben Sie also Aufträge die genügend Menschen aus Ihrem Unterstützerkreis auch ausführen würden.
Damit das produzierte Material auch gesehen wird, ist es entscheidend, dass Sie die richtigen Kanäle benutzen, über welche Ihre Zielgruppe erreicht werden kann. Neben öffentlichen oder halböffentlichen Screenings an Veranstaltungen oder Strassenaktionen bieten sich im Internet Plattformen wie Facebook, Youtube, Blogs oder Foren an. Hierbei ist entscheidend, wie die Videos sinnvoll betitelt und verlinkt sind. Tipps rund um die Frage der idealen Distributionsstrategie finden sie im vierten Teil unser Serie (Mit Video viele Menschen erreichen)
Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie sie Video für Ihre Kampagne einsetzen können? Kontaktieren Sie Peter Haberstich unter 044 500 31 01 oder phaberstich@kampagnenforum.ch.
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